„Alle Macht liegt bei der Farbe…“
Rolf Bleymehl
Nach dem Abitur (1959) beginnt Rolf Bleymehl ein Studium am Hochsschulinstitut für Kunst- und Werkerziehung an der Werkkunstschule Saarbrücken.
Schon während seiner Schulzeit hatte er an Abendkursen an der WKS teilgenommen.

Ausbildung in Saarbrücken
An der Werkkunstschule Saarbrücken lernt er in der Klasse von Oskar Holweck. Holweck – ein in ganz Deutschland bekannter Spezialist des Konstruktivismus- lehrt die Bauhaus Grundlehre. Die handwerkliche Befähigung – „in der Anwendung von linearen, flächigen und räumlichen Energien, Hell-Dunkel, Farbe, Struktur und Bewegung“ (zit. pädagogisches Skizzenbuch, Paul Klee) – steht dabei im Zentrum. Parallel dazu lernt er Fotografie in der Klasse von Otto Steinert. Steinert prägt den Begriff der „subjektiven Fotografie, mit der Absicht Fotografie als Kunstform zu etablieren. Das genaue Hinsehen des „Flaneurs“, der mit zufälligen, bildnerischen Komponenten, auf Böden, Wänden etc.., arbeitet ist bis heute die Grundlage der Arbeiten von Rolf Bleymehl.
Als Künstler angekommen. Abstraktion und Expressionismus in Karlsruhe
Rolf Bleymehl setzt sein Studium an der Kunstakademie in Karlsruhe fort – Malklasse Prof. Herzger. Als Traditionsstätte des deutschen Expressionismus liegt der Fokus der Ausbildung auf gestischer Malerei, flächendeckenden Bewegungsspuren und Entfesselung des Ausdrucks, nach dem Vorbild Jackson Pollock. Vor allem ältere Studenten, wie Heinz Schanz, Walter Stöhrer, Horst Antes und Dieter Krieg haben großen Einfluss auf die Lehre und prägen den Begriff der „Neuen Figuration“, ausgelöst durch die Lehrtätigkeit von HAP Grieshaber und Wilhelm Loth. In den Bildern und den Collagen von Rolf Bleymehl findet sich genau dieser Ansatz. Die Gestalt des Körpers ist nicht mehr von Interesse, sondern es geht um seine Befindlichkeit. Das Außen und das Innen, Körper und Psyche werden hier zu einer Einheit, bis hin zur Formauflösung.
1962 kommt es zur ersten Ausstellung von Francis Bacon in Deutschland. Die Akademieschüler fahren im Kollektiv in einem Sonderzug nach Mannheim um sie zu besichtigen. Die Werke Bacons entsprechen in ganz besonderer Weise dem Karlsruher Ideal. Die Malerei von Jackson Pollock und Francis Bacon ergeben schließlich den Nährboden für Rolf Bleymehls Suche nach neuen Lösungen der figurativen Malerei. Expressive Figurenabstraktion mit malerischer Vielfalt bleibt sein ureigenstes Sujet.
„Kunst wird es immer geben und nicht aus exklusiv ökonomischen Motiven.“
Rolf Bleymehl

Arbeit in Frankfurt am Main und Weiterentwicklung durch Siebdrucktechnik
Als Hochschullehrer an der Fachhochschule Frankfurt am Main, bereitet Rolf Bleymehl Studenten u.a. auf die soziokulturelle Arbeit mit Jugendlichen vor. Ein dafür geeignetes Medium ist der Siebdruck zur Herstellung von Plakaten. Die Technik bietet die Gelegenheit, selbständig „Bücher“ zu drucken und beim Addieren von mehrfarbigen Druckvorgängen zu variieren, sodass unterscheidbare Unikate entstehen. Fotosiebe sind auf diese Weise ergänzt und erweitert worden im Mehrfarbendruck. Nacheinander gemalte oder gedruckte Schichten werden als getrennte Vorgänge aufeinander bezogen. Übermalung bedeutet nicht Verhüllung, sondern das Darunterliegende bleibt sichtbar. Bleymehl übernimmt diese Techniken und Erfahrungen gezielt für seine Bildproduktionen.
In einem Artikel für die Saarbrücker Zeitung schreibt die spätere Kulturministerin Christina Weiss zu Gemälden und Siebdrucken von Rolf Bleymehl: „…Die Figurationen verwischen sich im farb- und Bewegungsausdruck. Der spontane Farbauftrag und die ausdrucksvolle Farbgebärde lassen die Bilder Rolf Bleymehls – insbesondere diejenigen, bei denen sich das Thema auf eine einzige Bewegungsgeste reduziert – mit der gestischen Malerei des Informel und des Action Painting vergleichen. Allerdings geht es Bleymehl nicht primär um die Darstellung des freien Malgestus, sondern er bindet die Farbbewegung immer an eine, wenn auch zerstörte Figürlichkeit… .“
Sich beim Malen treiben lassen, wohin das Bild will. Alle Macht liegt bei der Farbe, bei der sinnlichen Kraft, die sie ausstrahlt, ihrer Konsistenz, der Breite und Stärke des Auftrags, ihrer Verteilung, ihrer Abtönung oder ihrem Kontrastieren. Am Ende bleibt eine „Reserve an Ungesagtem“(Hilde Domin). Das begründet die Unverfügbarkeit von Bildern und bestätigt ihre Autonomie.
Der Schriftsteller Rolf Dieter Brinkmann hat in einem Gedicht beschrieben, wie es ihm gelingt, angesichts der Verhältnisse eine Ordnung seines „Ich“ zu finden:
„Wer hat gesagt, daß sowas Leben ist? Ich gehe in ein anderes Blau.“
Rolf Bleymehl lebt und arbeitet heute bei Friedberg in Hessen.
Ausbildung
1959-1963
Kunst-Grundlehre Studium an der Werkkunstschule Saarbrücken, u.a. bei Prof. Oskar Holweck und dem Fotografen Otto Steinert, sowie Kunstgeschichte und Philosophie an der Universität des Saarlandes.
Fortsetzung des Studiums der Malerei und Grafische Techniken, sowie Kunstgeschichte an der Hochschule für Bildende Künste in Karlsruhe. Malklasse von Prof. Herzger.
1962-1966
Studium der Geschichtswissenschaft an der Universität des Saarlandes
Ausstellungen
Einzelausstellungen
1980 Galerie Gero Koellman / Saarbrücken
1981 Galerie Melnikow / Heidelberg
1998 Galerie „Das Bilderhaus“ / Frankfurt am Main
2002 Galerie „Das Bilderhaus“ / Frankfurt am Main
2003 Galerie Elitzer / Saarbrücken
2007 Stadtkirche Friedberg / Friedberg (Hessen)
2012 Galerie Elitzer / Saarbrücken
2017 Galerie Isola / Frankfurt am Main